Stadthaus - Sanierung oder Neubau?

Eine Vernunftsentscheidung!

Ein Beitrag von Dr. Klaus-Peter Gilles (Bild), Fraktionsvorsitzender und Reinhard Limbach, Vorsitzender des Projektbeirates Zukunft neues Stadthaus (Januar 2012)

Im Vergleich zu anderen städtebaulichen Highlights, wie zum Beispiel unserem schönen Rokoko- Rathaus oder dem klassizistischen Universitätsgebäude, gibt es zur Architektur des Bonner Stadthauses durchaus geteilte Meinungen. Erbaut in den Jahren 1973-1977 galt es mit seiner Fertigstellung bereits als zu klein.

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Gebäude aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dem damaligen Zeitgeist aber nicht mehr den heutigen, insbesondere technischen Anforderungen entspricht. Der heutige Status quo zeigt deshalb nicht überraschend einen umfassenden Renovierungs- und Modernisierungsstau in technischer, insbesondere aber in energetischer Hinsicht. Hinzu kommen erhebliche Erhaltungserfordernisse in Flachdachbereichen, Betonteilen und an den Fassaden, welche mit den vorgehängten Glasplatten übrigens lediglich eine gestalterische Funktion aufweisen.

Zurzeit wird die Frage – Neubau oder Sanierung – im Rat der Stadt Bonn durchaus kontrovers diskutiert. Im Ergebnis kommt es aber letztlich darauf an, dass man auf einer verlässlichen Datenbasis ideologiefrei entscheiden kann. Aufgrund der vom Städtischen Gebäudemanagement (SGB) vorgelegten Zahlen wird derzeit von der schwarz/grünen Koalition die „modifizierte Sanierung“, wie die seitens der Verwaltung vorgeschlagene Lösung bezeichnet wird, präferiert. Dabei handelt es sich um eine turmweise Modernisierung im laufenden Betrieb des Stadthauses, bei Beibehaltung der vorhandenen Ausstattungsstandards und der Strukturen wie beispielsweise Steigestränge, WC- Bereiche, Aufzugsbereiche, Treppenhäuser, Kantine und Ratssaal.

Doch eines ist wichtig: bei so großen Projekten müssen die Kostenstrukturen im Vorfeld durch externen Sachverstand plausibilisiert werden. Das geschieht jetzt. Hierauf haben wir als CDU besonderen Wert gelegt!



Wo kommt das Geld her?

Die mit Sicherheit teuerste Form des Sparens ist die der unterlassenen Instandhaltung - weiteres Abwarten ist daher nicht angebracht. Es stellt sich zunächst einmal die Frage, wie lange wir uns die unverhältnismäßig hohen Kosten für Beheizung und Klimatisierung noch leisten können. An jedem Tag ohne erfolgte Modernisierung blasen wir unnötig Energie hinaus - das kostet erheblich viel Geld.

Die Antwort auf die obige Frage lautet deshalb: Finanzierung. Dabei muss beachtet werden, dass wir uns in einer Zeit mit einem historisch niedrigen Zinssatz befinden.

Die Errichtung von rund 17.000 m2; zusätzlichen Flächen in den Randbereichen Maxstraße, Weiherstraße, Franzstraße und Berliner Platz kann nach dem Umbau einen erheblichen Deckungsbeitrag zu den Zinsbelastungen beitragen, wenn diese Flächen als Einzelhandelsflächen genutzt werden. Des Weiteren können zahlreiche, derzeit extern vorhandene Dienststellen wieder im Stadthaus untergebracht werden. Das spart erhebliche Mietaufwendungen und reduziert Reibungsverluste. Die Einsparung in energetischer Hinsicht wird zudem erheblich sein.


Wie viele Arbeitsplätze, wie viele Büros brauchen wir überhaupt in 30 Jahren?

Das ist eine ganz schwer zu beantwortende Frage. Sehen Sie sich dazu einmal die bürotechnische Entwicklung, beispielsweise im Bereich EDV, in den letzten 30 Jahren an. Andererseits gab es in der Vergangenheit sehr viele zusätzliche Aufgaben, die seitens des Bundes auf die Kommunen übertragen wurden. Nach unserer persönlichen Einschätzung werden viele" Dienstleistungen" der Stadtverwaltung zukünftig auf elektronischen Wege und automatisiert erbracht werden können.

Warum kein Neubau?

Sie kennen aus der Tagespresse die genannten Zahlen in Höhe von 138 Millionen Euro für eine "Grundsanierung" und von 220 Mio. Euro für einen Neubau. Zu beiden Zahlen sei an dieser Stelle angemerkt, dass es sich um Kostenschätzungen zum heutigen Stand handelt, die natürlich der Baupreisentwicklung (Index) unterliegen und folglich fortgeschrieben werden müssen.

Gemäß Ermittlung des Katasteramtes ist die Immobilie "Stadthaus" derzeit rund 100 Millionen Euro wert, der Buchwert für das reine Gebäude liegt bei rund 32 Millionen Euro. Würde das Gebäude abgerissen, müssten diese 32 Millionen Euro abgeschrieben werden und sie würden ein großes Loch in die städtische Bilanz reißen. Diese Maßnahme würde uns somit in den Nothaushalt katapultieren. Die erforderlichen Abrisskosten und die temporäre Unterbringung der Stadtverwaltung in anderen Gebäuden sind in diesen Positionen dabei noch gar nicht enthalten.

Im Übrigen wäre ein Neubau mit einem Stadthaus in dieser Größenordnung nicht darstellbar, da innenstadtnah schlichtweg bereits das Grundstück fehlt. Ein dezentrales Stadthaus wie beispielsweise das ehemalige Landesbehörden außerhalb an der B9 (ist ohnehin nicht mehr verfügbar) kann weder im Sinne der das Stadthaus aufsuchenden Bürger noch der 1450 Mitarbeiter des Stadthauses sein.



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